Tilmann hat die Zeit zwischen den Jahren genutzt einen Bericht über seine Flug nach Spanien 2022 mit dem Tragschrauber MTO Sport anzufertigen, aber seht selbst:

Geplant waren drei oder vielleicht vier Tage Flugzeit. Auf dem Passagiersitz und in den Gepäcktaschen hatte ich einen 20 l Kanister, ein kleines Zelt, einen Sommerschlafsack, Proviant, Klamotten und etwas Werkzeug verstaut. Zur Navigation IPad und IPhone mit SkyDemon und AirMate Software sowie Kartenmaterial, speziell Carta Bossy für die schwierigen Lufträume in Frankreich.
Die Wetterlage war günstig, Abflug am Sonntag dem 7. August 2022 um 9:00 Uhr vom Arloh. Zunächst zum Tankstop nach Gelnhausen bei Frankfurt.


Nach zweieinhalb Stunden Flugzeit problemlose Landung um 12:30 Uhr in Gelnhausen. Dort tanken und im Flugplatzrestaurant Mittag gegessen. Netten Airline Piloten kennengelernt, der sich gerade eine FK 9 gekauft hatte. Um 15:30 Uhr Start in Gelnhausen Richtung Freiburg.



Eine Übernachtungsmöglichkeit in Freiburg zu finden war gar nicht so einfach.
Heimspiel von Freiburg in der Bundesliga mit massenhaft Fußball Fans.In der Nähe des Flugplatzes war alles ausgebucht, ich habe dann eine kleine Pension in einem Vorort gefunden. Dorthin mit Straßenbahn und Bus. Am nächsten Morgen zurück zum Flugplatz mit einem Mietfahrrad (App). Das geht in Freiburg völlig problemlos.
Am Montagmorgen wieder herrliches Flugwetter. Flugplan nach Besancon aufgegeben, dort Tanken geplant. Start 10:30 Uhr in Freiburg.
Landung in Besancon um 11:50 Uhr. Tanken von mobiler Tankstation mithilfe netter französischer Fliegerkameraden. Flugplan geschlossen mit deutscher FIS, die maulten, das muss man mit der FIS in Frankreich machen. Abflug Richtung Süden um 13:00 Uhr.

Landung zum Tankstop in Montelimar Ancone um 16:00. Keine offene Tankstelle und auch keine Autotankstelle in der Nähe. Also 20L aus Kanister eingefüllt. Auf dem Flugplatz Montpellier Candillargues sollte es eine Mogastankstelle geben, also Start um kurz nach 17:00 Uhr Richtung Süden. Nun galt es zunächst eine große militärische Flugverbotszone südöstlich von Montelimar zu umfliegen. Gerne wäre ich über die Ardeche Schlucht geflogen, aber die lag genau im Sperrgebiet.
Landung in Montpellier um 18:45 Uhr. Große Enttäuschung: die Tankstelle wurde renoviert und war geschlossen. Der Flugplatz liegt völlig einsam in den Flächen der Camargue. Alle Unterkünfte in der Nähe waren komplett ausgebucht wegen eines Volksfestes. Außerdem hatte ich kaum noch zu trinken und zu essen. Gott sei Dank half mir eine Gruppe von Echopiloten die dort zusammen Pizza bestellten und aßen. Da durfte ich mitmachen. Wo nun übernachten? Die Flieger zeigten auf einem verlassenen Tower und meinten dort könnte ich problemlos übernachten.


Das Gewitter war leider stationär, es schüttete und blitzte fast den ganzen Tag. Inzwischen hatte ich ganz schön viel Durst und überlegte schon Regenwasser zu trinken. Endlich gegen 14:00 Uhr beruhigt sich das Wetter. Es kamen auch einige Privatflugzeughalter auf dem Platz, die sich rührend um mich kümmerten, mir zu trinken gaben und mit mir und mehreren Kanistern zu einer Tankstelle ungefähr 7 km entfernt fuhren.
Jetzt wollte ich unbedingt noch das gute Wetter nutzen um mit Flugplan nach Spanien zu kommen. Also als Zwischenziel Ampuriabrava ausgesucht und den Flugplan aufgegeben. Start in Montpellier um 17:00 Uhr. Nach Umrundung der Kontrollzone von Montpellier kam endlich die Lagune von Sete in Sicht.

Weiter ging es an der Küste entlang am Cap d`Agde vorbei und weiter zum Cap Leucate.
An dieser Küste bin ich schon 1975 entlang gesegelt.


Nach einer unbequeme Nacht in Montpellier wollte ich diesmal in einem richtigen Bett schlafen. Das stellte sich als schwierig heraus, erstens war Hochsaison und zweitens waren alle Hotels und Gasthäuser in der Umgebung des Flugplatzes von Fallschirmspringern belegt. Nach einigen Telefonaten habe ich schließlich ein Zimmer in einem Touristen Hotel in Rosas ergattert.
Dorthin mit Taxi. Klimatisiertes Zimmer, Dusche, ein weiches Bett, welch ein Traum! Der Ort voll mit Badetouristen und Familien, zum Glück einen Platz in einer Pizzeria gefunden, gutes Essen, zwei große Bier.
Am Mittwoch den 10.8.2022 nach Tanken Start in Ampuriabrava um 10:30 Uhr. Geplant war ein Tankstopp nördlich von Barcelona in Igualada Odena. Der große Flughafen von Barcelona liegt direkt an der Küste und die Kontrollzone reicht weit ins Meer hinaus. So weit draußen übers Meer zu fliegen habe ich mich nicht getraut. Deshalb hieß es nördlich und östlich die Kontrollzone von Barcelona zu umfliegen.

Das Hinterland von Barcelona ist recht bergig, ich musste den Montserat-Sant Jeroni mit über 1500 m Höhe umfliegen, denn bei 35°Außentemperatur ist die Steigfähigkeit meines Gyros sehr begrenzt. Landung in Igualda um 12:00. Dort gibt es keine Möglichkeit zum Tanken, aber ein freundlicher spanischer Gyropilot nahm mich mit Kanistern zur nächsten Tankstelle mit. Start mit vollgetanktem Reservekanister in Igualada um 13:15. Mit dem Sprit an Bord müsste ich eigentlich bis zum Ziel Benicolet kommen. Als Tankstop zum Einfüllen des Kanisters hatte ich mir Vinaros ausgesucht, weil es nahe der Küste lag. Nach Umfliegen der Kontrollzone von Reus ging es endlich wieder Richtung Küste. Landung in Vinaros um 15:00.

Es war brütend heiß mit einem noch heißeren kräftigem Wind. Eine Staubpiste und kein Flieger oder Mensch weit und breit. Kanister eingefüllt, etwas getrunken und um 15:50 gestartet. Die letzte Etappe ging an der Küste entlang. Leider reicht die Kontrollzone vom Flughafen Valencia auch wieder weit ins Meer hinein. Wenn man dicht an der Kontrollzone bleiben will muß man wegen der Einflugschneise unter 1500 ft bleiben. Also keine Chance in der Höhe beim Motorausfall wieder Richtung Land zu kommen.

Je näher ich dem Ziel kam, desto schlechter wurde die Sicht. Richtung Süden sah das fast aus wie Nebelschwaden allerdings konnte das bei dem Wetter nicht möglich sein. Ich sollte nach der Landung erfahren, dass das alles Rauchschwaden war. Um 17:30 Uhr konnte ich schließlich problemlos in Benicolet landen, eine kleine Graspiste auf einem Plateau. Ein freundlicher spanischer Fliegerkollege (Verkehrspilot bei Ryanair) zeigte mir den Hangarplatz. Bei Pepe, dem Besitzer des Platzes, hatte ich mich angekündigt.

Telefonisch erreichte ich mit einiger Verzögerung schließlich James und Tracy, mit denen ich vereinbart hatte, dass sie mich abholen,wenn ich ankomme. Die beiden kamen schließlich völlig übermüdet und aufgeregt. Es stellte sich heraus dass ein großer Waldbrand bis ganz an die Grenze unserer Urbanisation gekommen war und die Bewohner alle für die Nacht evakuiert worden waren. Die Feuerwehr konnte den Brand bis kurz vor unserem Haus unter Kontrolle bringen, Gott sei Dank.

Flugzeit 17 Std., 3 Übernachtungen, 9 Landungen, 5 Tankstops